Iran ist in der Irak-Krise ein falscher Freund

  • geschrieben von Clemens Wergin
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Anti-Amerika-Proteste in TehranIn der Irak-Krise wollen die USA mit dem Iran kooperieren. Doch diese Partnerschaft bietet keine Sicherheit. Wenn Washington sie schönredet, tut es das aus Unlust, sich weiter im Irak zu engagieren.

Der Nahe und Mittlere Osten ist immer für Überraschungen gut. Eben noch standen der Iran und die USA etwa im Syrien-Konflikt auf unterschiedlichen Seiten der Barrikaden, auch der Streit über das iranische Atomprogramm hält weiterhin an. Doch dann fegt eine islamistische Terrorgruppe aus Syrien kommend durch den Nordirak und nimmt weite Gebiete dort ein – und Teheran und Washington finden sich in Sachen Irak auf derselben Seite wieder. Beide bemüht, die Regierung von Nuri al-Maliki gegen die Extremisten zu stützen.

Wer nun aber jubelt über diese neue Interessenallianz, sollte sich lieber vergegenwärtigen, wie es zu dieser erneuten Eskalation im Irak kommen konnte. Im Jahr 2007 hatten die Amerikaner beschlossen, einen letzten Versuch zu unternehmen, die Lage nach der Invasion und dem anschließenden Bürgerkrieg doch noch unter Kontrolle zu bringen.

Die Regierung von George W. Bush beschloss eine Aufstockung der Truppen, verbunden mit einer neuen Strategie der Aufstandsbekämpfung, die auf Präsenz vor Ort und Aussöhnung setzte. Sie hatte damit tatsächlich Erfolg.

Kapitulation der Amerikaner

Bei den Wahlen im Jahr 2010 musste der einst von den Amerikanern mit in den Sattel gehobene schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki dann erhebliche Verluste einstecken.

Es gewann der dem Westen weit freundlicher gesinnte Ijad Allawi und seine die Konfessionsgrenzen überspannende Koalition. Aber anstatt Allawi zu helfen, eine Regierung zu bilden, kapitulierten die Amerikaner, die längst nach einem Notausgang suchten, vor der iranischen Einflussnahme.

So ermöglichten sie al-Maliki, erneut eine Regierungskoalition zusammenzustellen. Und der machte dann genau das, was seine Freunde in Teheran gewollt hatten: Er setzte seine antisunnitischen Säuberungen von Armee und Verwaltung fort und stieß die gerade erst erfolgreich befriedete sunnitische Minderheit vor den Kopf.

Hilfe nur unter klaren Bedingungen

Vier Jahre später erntet al-Maliki, was er gesät hat. Denn der Erfolg der Isis im Norden wäre ohne die tatkräftige Unterstützung der von ihm verprellten sunnitischen Stämme und alter Saddam-Getreuen gar nicht möglich gewesen.

Es ist also Vorsicht geboten, wenn nun überhastet die Allianz mit dem Iran ausgerufen wird. Teheran vertritt eine sektiererische, allein auf die Schiiten bauende Politik. Das ist genau die Logik, die den Irak nun abermals explodieren lässt.

Amerika sollte nicht zweimal denselben Fehler begehen. Hilfe für Bagdad sollte deshalb an klare Bedingungen geknüpft werden. Denn nur wenn al-Maliki die Sunniten an Macht und Pfründen beteiligt, gibt es überhaupt eine Chance, dieses Land zusammenzuhalten. Gut möglich, dass es dazu aber schon zu spät ist.

Quelle: dieWelt

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